
Die Fenster von Sainte Chapelle
Alban Nikolai Herbst · 2011
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Seine rechte Hand schweift langsam ins Rund. „Bitte sehr” hieß das und war nun endgültig als Einladung gemeint. Dann beugte er sich etwas vor und hangelte nach der Lehne eines der zahllosen hellgrauen Plastikstühle, die am Fuß der hohen Fensterwände rings aufgestellt waren; er zog ihn heran. Zwei der Stuhlbeine quietschten auf den marmornen Mosaiken des Bodens. Es war dann völlig still. Von Paris hörte man überhaupt nichts mehr. Nur das schwere Atmen des Mannes pfiff leise durch den Raum, in den ich ganz hineintrat, hoch über mir einen tiefblauen, sternübersäten Himmel, den goldene Tangenten gliederten, als wären Meridiane zur Zierde erschaffen. Schon das wär Grund genug gewesen, mich ebenfalls zu setzen, um hinauf zu meditieren. Doch nahm ein schleichender Schrecken von mir Besitz. Denn als ich die Fenster sah, wirklich sah, begriff ich, daß es einen Zusammenhang gab, dessen Ursache ich in mir selbst finden mußte: einen Zusammenhang nämlich mit jener anderen, dieser fensterlosen Kapelle.
Book details
- Year
- 2011
- Language
- German
- Series
- Herbst, Alban Nikolai: Gesammlte Erzählungen ; [3] Kulturmaschinen Prosaedition
- Publisher
- Kulturmaschinen
- Editions
- 1
- Pages
- 170
- ISBN
- 9783940274342
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